/
Aktueller Beitrag
/

Zum Inter­na­tio­nalen Frauentag: Ein privater Impuls von Constanze Schick

Zum Inter­na­tio­nalen Frauentag: Ein privater Impuls von Constanze Schick

Inter­na­tio­naler Frauentag

Ein privater Impuls von Constanze Schick

Heute ist Inter­na­tio­naler Frauentag.

Und ich gebe zu: Lange Zeit wusste ich nicht so recht, was ich mit diesem Tag anfangen soll.

Ein Tag, der zum Nachdenken einlädt.

Was bedeutet dieser Tag ganz persön­lich für mich?

Auch in diesem Jahr steht er – zurecht – im Zeichen von Frauen, die weltweit für ihre Rechte auf die Straße gehen.

Wenn wir auf unseren kleinen westli­chen Kosmos blicken, stellen wir fest: Formal sind Frauen und Männer längst gleich­ge­stellt. Die Rechte sind da.

Die Realität ist – sagen wir – etwas kompli­zierter.

Bis Anfang meiner dreißiger Jahre war ich ehrlich gesagt eher etwas peinlich berührt, wenn das Thema Gleich­be­rech­ti­gung aufkam. Für mich hatte diese Debatte eigent­lich schon die Genera­tion meiner Mutter geführt.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Frauen in Deutsch­land bis in die 1970er-Jahre hinein ihren Mann um Erlaubnis bitten mussten, bevor sie arbeiten durften.

Spätes­tens mit der Famili­en­grün­dung bekam mein Gefühl von „Es passt doch eigent­lich alles“ etwas ins Wanken.

Plötz­lich tauchten Fragen auf, die viele berufs­tä­tige Mütter kennen:

Warum gehst du denn so früh wieder arbeiten?
Mit einem Jahr schon in die Kita?
Musst du überhaupt arbeiten – verdient dein Mann nicht genug?

Das sind nur drei Beispiele. Ich könnte diese Liste problemlos fortsetzen.

Wem kommt das bekannt vor?

Denn selbst wenn in einer Partner­schaft alles fair verteilt ist, richtet sich der Blick von außen erstaun­lich oft zuerst auf die Frau. Viele Erwar­tungen werden weiterhin an sie adres­siert – und deutlich seltener an den Mann.

Und dann ist da noch das eigene schlechte Gewissen.
War es zu früh, wieder arbeiten zu gehen?
Lohnt sich dieser ganze Spagat überhaupt?

Auf dem Papier haben wir die gleichen Rechte. In der Praxis existiert jedoch vieler­orts weiterhin eine, sagen wir mal, erstaun­lich stabile Rollen­ver­tei­lung.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Rund die Hälfte der erwerbs­tä­tigen Frauen in Deutsch­land arbeitet in Teilzeit.

Das bedeutet aller­dings keines­wegs weniger Leistung. Studien zeigen sogar, dass die Produk­ti­vität pro Stunde häufig steigt.

Gib hier deine Überschrift eTeil­zeit reduziert Arbeits­stunden. Nicht Verant­wor­tung.

Auch ich bin in diese Teilzeit­rea­lität geraten. Trotz des Hinweises einer erfah­renen Kollegin, dass Teilzeit in der Praxis oft bedeutet: die gleichen Aufgaben in weniger Zeit.

Damals war ich überzeugt, dass das bei mir anders laufen würde.

Spoiler: Tat es nicht.

Mit 30 Stunden pro Woche hatte ich nicht nur die gleichen Aufgaben wie zuvor, sondern übernahm zusätz­lich weitere Verant­wort­lich­keiten – unter anderem die Betreuung des Hochschul­rats. An vielen Hochschulen ist das eine Aufgabe, für die es eigene Stellen oder Ressorts gibt.

Parallel dazu absol­vierte ich meinen Master in Media­tion – mit zahlrei­chen Präsenz­se­mi­naren an den Wochen­enden. Und gleich­zeitig gab es zu Hause eine Familie, die ebenfalls Aufmerk­sam­keit brauchte.

Möglich war all das nur, weil wir als Familie zusam­men­ge­halten haben. Mein Mann hat selbst­ver­ständ­lich seinen Teil getragen. Und beson­ders prägend war der unermüd­liche Einsatz meiner Mutter, die uns immer wieder unter­stützt hat. Für sie war es selbst­ver­ständ­lich, dass ich meinen Beruf und mein Studium weiter­ver­folge.

Diese Erfah­rungen haben mir eines sehr deutlich vor Augen geführt:

Bildung eröffnet Chancen.
Bildung schafft Unabhän­gig­keit.
Bildung ermög­licht echte Teilhabe.

Bildung ist der Schlüssel zu Chancen­ge­rech­tig­keit – damals wie heute.

Denn am Ende geht es nicht nur um gleiche Rechte.
Es geht darum, wer seine Möglich­keiten tatsäch­lich nutzen kann.

Constanze Schick

Geschäfts­füh­rerin des Insti­tuts für wissen­schaft­liche Weiter­bil­dung der FernUni­ver­sität in Hagen