Jugendämter als überforderte Organisationen
- Die strukturellen Ursachen von Fehlern im Kinderschutz und organisatorische Lösungsansätze.
- Verknüpfung von realer Fallanalyse und organisationstheoretischer Reflexion – praxisnah, analytisch und interdisziplinär.
Über das Seminar
Die strukturellen Ursachen von Fehlern im Kinderschutz und organisatorische Lösungsansätze
Wie können gravierende Fehler im Kinderschutz entstehen – und wie lassen sie sich verhindern?
Dieses Seminar analysiert anhand eines realen Falls, in dem mehrfach Hinweise auf eine pädophile Neigung des Täters vorlagen, die organisatorischen und strukturellen Fehlleistungen im Kinderschutz. Ziel ist es, die Mechanismen und Dynamiken zu verstehen, die zu systemischen Versäumnissen führen können – und daraus praxisrelevante Lehren für die eigene Arbeit zu ziehen.
Inhalte des Seminars
Das Seminar gliedert sich in sechs Abschnitte und verbindet Fallanalyse, theoretische Grundlagen und praxisnahe Reflexion.
1. Fallbeispiel aus dem Kinderschutz
Darstellung eines Falles, in dem ein Kind über mehrere Jahre hinweg sexueller Gewalt ausgesetzt war. Trotz mehrfacher Hinweise auf eine pädophile Neigung des Täters blieben die Übergriffe von den zuständigen Jugendämtern und der eingesetzten Familienhilfe unerkannt. Erst durch die Aussage eines weiteren betroffenen Kindes wurde das Ausmaß der Taten bekannt.
2. Organisationstheoretische Grundlagen
Im Fokus steht die Frage, wie Organisationen im Kinderschutz strukturiert sein müssen, um komplexe Problemlagen wie Kindesmissbrauch angemessen zu erkennen und zu bearbeiten. Vorgestellt wird das Konzept der „Passung“ zwischen Problemstruktur und Organisationsstruktur. Kindesmissbrauch gilt dabei als „vertracktes Problem“, das nur multiprofessionell bearbeitet werden kann.
3. Bestehende Praxis und ihre Defizite
Analysiert wird die gegenwärtige Praxis des Kinderschutzes, die meist familienunterstützend und monoprofessionell organisiert ist. Diese Struktur führt zu Sinnstiftungs- und Kooperationsdefiziten, die anhand typischer Interaktionsformen wie der „partnerschaftlichen Aushandlung“ und der „kollegialen Beratung“ verdeutlicht werden.
4. Wissen und Können von Fachkräften
Der vierte Abschnitt behandelt die Kompetenzen, die im Kinderschutz erforderlich sind, um Kindeswohlgefährdungen zuverlässig zu erkennen. Im Mittelpunkt steht die These, dass dies eine Form wahrnehmungsbasierten Handelns erfordert – also die Fähigkeit, subtile Anhaltspunkte zu erkennen, die auf verborgene Muster hinweisen. Diese Expertise entsteht durch gezieltes Wahrnehmungslernen und Training.
5. Zusammenarbeit im Kinderschutz
Hier wird untersucht, welche Voraussetzungen eine gelingende Kooperation unterschiedlicher Professionen benötigt und warum Kooperationsdefizite ein strukturelles Merkmal des aktuellen Kinderschutzsystems darstellen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit Qualität und Handlungssicherheit erhöht.
6. Abschlussdiskussion
Abschließend erfolgt eine gemeinsame Reflexion offener Fragen, eine Diskussion der erarbeiteten Erkenntnisse sowie die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln.
Warum dieses Seminar besuchen?
Das Seminar richtet sich an Fachkräfte im Kinderschutz, in Jugendämtern, an Verfahrensbeistände sowie an alle, die mit Kindeswohlgefährdung, Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe oder interdisziplinärer Kooperation befasst sind.
Die Veranstaltung bietet eine fundierte Analyse realer Strukturen und Denkweisen im Kinderschutz und zeigt Wege auf, wie Organisationen Fehler erkennen, vermeiden und ihre Schutzpraxis verbessern können.
Literatur zur Vorbereitung und Vertiefung
-
Klatetzki, T. (2025): Die überforderte Organisation. Die Institutionalisierung des Irrtums im Kinderschutz. Beltz/Juventa, Weinheim.
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Klatetzki, T. (2019): Katastrophale Ereignisse. In: Narrative Praktiken. Beltz/Juventa, S. 167–195.
-
Klatetzki, T. (2020): Vier Fehlerarten im Kinderschutz. Unsere Jugend 11+12, S. 450–456.
-
Klatetzki, T. (2012): Die Fallgeschichte als Grenzobjekt. In: Grenzobjekte, Springer VS, S. 115–133.
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Klatetzki, T. (2020): Der Umgang mit Fehlern im Kinderschutz. Neue Praxis, H. 2, S. 101–121.
-
Biesel, K., Meysen, T., Schrapper, C. (2020): Der Umgang mit Fehlern im Kinderschutz. Eine Erwiderung. Neue Praxis 5, S. 409–425.
-
Klatetzki, T. (2021): Eine Praxis des Nichtwissens. Neue Praxis, H. 1, S. 3–10.
Zielgruppe
Das Seminar richtet sich an Berufstätige mit Arbeitsschwerpunkten in den Bereichen:
-
Kinder- und Jugendhilfe,
-
Familien- und Kindschaftsrecht,
-
familienrechtliche Begutachtung,
-
Kinder- und Jugendbetreuung,
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Pädagogik sowie
-
Gesundheitswesen.
Eingeladen sind insbesondere Fachkräfte, die im Kinderschutz tätig sind oder regelmäßig mit Kinderschutzfragen befasst sind – etwa insoweit erfahrene Fachkräfte (Kinderschutz), Mitarbeitende in Jugendämtern, Verfahrensbeistände und andere im Kinderschutz aktive Berufsgruppen.
Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar sind Grundkenntnisse im Kinderschutz. Die Veranstaltung eignet sich nicht für Anfänger:innen.
Anmeldezeiträume
Die Anmeldefrist endet am 1. Februar 2026. Der Workshop unterliegt einer Mindestteilnehmendenzahl und findet nur bei erreichen dieser statt.
Jugendämter als überforderte Organisationen
Lehre und Betreuung
Ass. jur. Michael Wolf
Jurist mit Praxis in Anwaltskanzlei & Justiziariat | 25+ Jahre Lehre & Didaktik | Fokus: Recht, Psychologie, Business
Prof. em. Dr. Thomas Klatetzki
Psychologe & Soziologe | Professor für Organisationssoziologie (Uni Siegen) | ehm. Geschäftsführer Institut für Soziale Praxis | Langjährige Erfahrung in Forschung & sozialer Praxis
James Grant
Fullstack developer / Mentor
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