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Höher? Weiter? Bildung! – Der Alumni-Talk mit Prof. Dr. Bohrer

Höher? Weiter? Bildung! – Der Alumni-Talk mit Prof. Dr. Bohrer

Media­tion als Haltung: Professor Bohrer über sein Master­stu­dium in Hagen

Warum beginnt ein Arzt mit über 35 Jahren Berufs­er­fah­rung noch einmal ein Master­stu­dium? Für Professor Bohrer war diese Entschei­dung das Ergebnis eines längeren inneren Prozesses – geprägt von beruf­li­chen Erfah­rungen, persön­li­cher Neugier und einer langjäh­rigen Verbun­den­heit zur FernUni­ver­sität in Hagen.

Schon seit vielen Jahren schätzt er das Selbst­ver­ständnis der FernUni, akade­mi­sche Bildung flexibel und nieder­schwellig zugäng­lich zu machen. Diese Haltung war ein zentraler Beweg­grund für seine Studi­en­wahl:

„Ich finde die Insti­tu­tion sehr, sehr toll, dass man nieder­schwellig eine univer­si­täre Ausbil­dung und Weiter­bil­dung ermög­licht.“

Hinzu kam seine langjäh­rige Tätig­keit als Arzt. Konflikte gehören dort zum Alltag – zwischen Menschen, Berufs­gruppen, Hierar­chien und Kulturen. Diese Erfah­rungen führten bei ihm zu einer klaren Erkenntnis:

„Die persön­liche Erfah­rung als Arzt seit 35 Jahren mit Konflikten im Umfeld der Medizin […] hat mir gezeigt, dass es eigent­lich einen hohen Bedarf an Media­tion gibt.“

Ein Studium, das den Blick auf Konflikte nachhaltig verän­dert

Schon während des Studiums wurde für Professor Bohrer deutlich, dass Media­tion weit mehr ist als eine Technik oder Methode. Vielmehr verän­dert sie grund­le­gend die eigene Haltung.

„Dieses Studium in Hagen, das führt zu einem völlig anderen Konflikt­ver­ständnis.“

Dieses neue Verständnis wirkt bis heute nach – nicht nur im beruf­li­chen Kontext, sondern auch im privaten und gesell­schaft­li­chen Leben. Ob im politi­schen Umfeld, in der Ökonomie, im Bekann­ten­kreis oder in der Nachbar­schaft: Konflikte lassen sich diffe­ren­zierter wahrnehmen und besser einordnen. Situa­tionen, die früher vielleicht festge­fahren schienen, eröffnen plötz­lich neue Perspek­tiven.

Prof. Bohrer begrüßt Constanze Schick (links) am Klinikum Kulmbach
Studieren zwischen Klinik­alltag und Pandemie

Das Studium selbst empfand Professor Bohrer als anspruchs­voll, zugleich aber als sehr gut struk­tu­riert. Beson­ders überzeugt hat ihn die Qualität der Studi­en­ma­te­ria­lien. Begonnen hat er den Master 2020 – unter den beson­deren Bedin­gungen der Corona-Pandemie. Die vollstän­dige Umstel­lung auf Online-Lehre war zunächst ungewohnt, entwi­ckelte sich jedoch schnell zu einer positiven Erfah­rung.

Gerade die digitalen Formate überraschten ihn:

„Ich war positiv überrascht, wie gut das funktio­niert mit dem Zoom. Selbst die Gruppen­ar­beit, dass das funktio­niert.“

Gleich­zeitig brachte das digitale Studium auch Erleich­te­rungen mit sich, insbe­son­dere durch den Wegfall der Anreisen nach Hagen. Was jedoch fehlte, war der persön­liche Austausch vor Ort – Begeg­nungen, die für Vernet­zung und spontane Gespräche wichtig sind.

Fachliche Tiefe und persön­liche Schwer­punkte

Inhalt­lich empfand Professor Bohrer alle Module als heraus­for­dernd und spannend. Beson­ders prägend waren für ihn die Wahlmo­dule zur inter­kul­tu­rellen Media­tion sowie zur Media­tion im öffent­li­chen Bereich. Seine langjäh­rige ehren­amt­liche medizi­ni­sche Tätig­keit in Entwick­lungs­län­dern verlieh diesen Themen eine beson­dere Relevanz. Gerade in medizi­ni­schen Kontexten – insbe­son­dere in kultu­rell diversen Settings – sei der Umgang mit Konflikten essen­ziell:

„Gerade unter einem Setting Medizin in Entwick­lungs­län­dern oder sehr armen Kulturen, da ist der Umgang mit Konflikten ganz wesent­lich. Manchmal sogar überle­bens­wichtig.“

Auch im deutschen Gesund­heits­wesen, in dem viele Menschen aus unter­schied­li­chen kultu­rellen Hinter­gründen zusam­men­ar­beiten, sieht er großes Poten­zial für media­tive Ansätze.

Lernen auf Augen­höhe – auch digital

Die Zusam­men­ar­beit mit den Dozie­renden beschreibt Professor Bohrer durchweg positiv. Er erlebte sie als hoch motiviert, profes­sio­nell und zugleich sehr nahbar. Beson­ders der offene Umgang auf Augen­höhe habe viele Barrieren abgebaut – sowohl im Kontakt mit den Lehrenden als auch unter den Studie­renden. Trotz des digitalen Formats blieb das Studium für ihn eine mensch­lich berei­chernde Erfah­rung.

Praxis­nähe und die Kraft der Sprache

Ein zentrales Element des Studiums war für Professor Bohrer der starke Praxis­bezug. Die Arbeit an eigenen Fällen sowie die Ausein­an­der­set­zung mit Konflikten aus ganz unter­schied­li­chen Berufs­fel­dern machten deutlich, wie univer­sell Konflikte sind – und wie schnell sie eskalieren können, wenn sie unbeachtet bleiben. Beson­ders prägend war für ihn die Erkenntnis über die Rolle von Sprache:

„Die wesent­liche Erkenntnis, was Sprache mit Kommu­ni­ka­tion und Konflikten zu tun hat, die ist ganz wesent­lich.“

Sprache könne Konflikte verschärfen – oder entschärfen. Diese Sensi­bi­lität für Kommu­ni­ka­tion begleitet ihn bis heute.

Die Master­ar­beit als Quelle von Motiva­tion

Auch die Abschluss­ar­beit erlebte Professor Bohrer nicht als Belas­tung, sondern als Berei­che­rung. Er beschäf­tigte sich mit dem syste­mi­schen Konstruk­ti­vismus – einer Frage­stel­lung, die ihn bereits seit Beginn des Studiums beglei­tete und wissen­schaft­lich bislang wenig bearbeitet ist. Statt Druck empfand er echte Freude am Arbeiten:

„Die Master­ar­beit hat mich beflü­gelt.“
„Ich habe mich nicht zur Master­ar­beit quälen müssen, sondern ich habe mich immer gefreut, wenn ich jeden Tag eine Stunde schreiben konnte.“

Aha-Momente und inter­dis­zi­pli­näre Zugänge

Zu den vielen Aha-Momenten im Studium zählen für Professor Bohrer die inter­dis­zi­pli­nären Bezüge – von Tiefen­psy­cho­logie und Psycho­ana­lyse bis hin zur aristo­te­li­schen Mesotes-Lehre.

„Da sind so viele Bausteine drin aus verschie­denen Diszi­plinen, die eigent­lich wunderbar geeignet sind, auch im klini­schen Kontext Eingang zu finden.“

Diese Vielfalt habe ihm neue Denk- und Handlungs­spiel­räume eröffnet – weit über das Studium hinaus.

Ein klarer Wunsch für die Zukunft

Rückbli­ckend ist Professor Bohrer mit dem Studium rundum zufrieden. Einen Punkt benennt er jedoch kritisch:

„Was aus meiner Sicht eine kleine Lücke darstellt im Studium […] ist, dass Media­tion in der Medizin kein Thema ist.“

Angesichts des hohen Konflikt­po­ten­zials im Gesund­heits­wesen sieht er hier einen dringenden Entwick­lungs­be­darf. Seine wichtigste Empfeh­lung: Media­tion nicht nur zu lernen, sondern zu leben. Beson­ders hilfreich war für ihn ein persön­li­ches Media­ti­ons­ta­ge­buch, in dem er Konflikte reflek­tierte und später erneut betrach­tete.

„Allein dieses Bewusst­sein, sich Konflikten konstruktiv und auf neuen Wegen zu nähern, das ist schon sehr positiv.“

Media­tion müsse dabei nicht im großen Maßstab statt­finden. Oft beginne Verän­de­rung im Kleinen – im eigenen Umfeld, im Gespräch, in der Haltung. Genau darin liegt für Professor Bohrer ihre beson­dere Stärke.

Mehr Infor­ma­tionen zu unseren Media­ti­ons­an­ge­boten finden Sie hier:

Master of Media­tion
https://feuw.fernuni-hagen.de/mediation-master/

Media­tion Kompakt
https://feuw.fernuni-hagen.de/mediation-kompakt/

Zerti­fi­kats­stu­dium Media­tion
https://feuw.fernuni-hagen.de/studium-mediation/