„Am Ende reden die wenigsten über Methoden.”
Ein Gespräch mit Dr. Leonie Manthey und Viktor Vehreschild
Die meisten, die diese Weiterbildung beginnen, führen längst regelmäßig anspruchsvolle Gespräche: Mitarbeitendengespräche, Beratungstermine, Konfliktgespräche, Personalentwicklungsgespräche – Gespräche, in denen es um etwas geht. Sie sind die Person, zu der Kollegen kommen, wenn sie nicht weiterwissen. Die Führungskraft, der ihr Team vertraut, weil Gespräche mit ihr etwas klären. Die Person in der Beratung, deren Klientinnen und Klienten nach einem Termin anders auf ihre Situation schauen. Der Mensch, von dem andere sagen: Mit dir lässt sich gut reden. Sie tun es aus Erfahrung, aus Intuition, aus echtem Interesse. Oft, ohne dass ihnen je jemand systematisch beigebracht hätte, was in solchen Gesprächen eigentlich wirkt. Ihnen fehlt eine Sprache dafür ebenso wie eine bewusst eingenommene Haltung und Rolle. Und dann wird der Wunsch konkreter, das nicht länger dem Zufall zu überlassen. Genau dafür wurde die Weiterbildung Systemisches Coaching an der FernUniversität in Hagen entwickelt.
„Eine qualitativ hochwertige Weiterbildung muss auch ins echte Leben passen.”
Die Weiterbildung wurde von Dr. Leonie Manthey und Viktor Vehreschild aufgebaut und wird von ihnen geleitet. Wissenschaftlich begleitet wird sie von Prof. Dr. Christel Salewski, was den universitären Anspruch und die hohe Qualität sichert. „Mir war wichtig, dass wir eine qualitativ hochwertige Weiterbildung anbieten, die gleichzeitig auch in ein volles Leben passt”, sagt Viktor Vehreschild. Er weiß selbst, wovon er spricht: Bachelor und Master in Psychologie, beides berufsbegleitend an der FernUni Hagen absolviert. „Die Teilnehmenden stehen mitten im Beruf, tragen Verantwortung, haben Familie. Daran haben wir das Format ausgerichtet.” „Und gleichzeitig”, ergänzt Leonie Manthey, „wollten wir ein Format, in dem die Teilnehmenden wirklich in die Rolle hineinwachsen können. Nicht ein Wochenende, nach dem alle denken: War nett, aber was jetzt? Sondern ein ganzes Jahr mit Übung, Feedback und Begleitung, nach dem sie tatsächlich bereit sind, loszulegen. Und als Coach ins Berufsleben einzusteigen”
„Die meisten bringen schon viel Gesprächserfahrung mit.”
Für wen ist diese Weiterbildung? Leonie Manthey nennt typische Situationen. Eine Führungskraft, die zwischen allen Stühlen sitzt: die Erwartungen von oben, die Bedürfnisse des Teams. Ratschläge greifen nicht mehr. Oder Menschen aus Beratung, Personalentwicklung, Bildung oder dem Gesundheitsbereich. Alle führen täglich Gespräche, in denen viel auf dem Spiel steht. Viktor Vehreschild nennt eine weitere Zielgruppe: Menschen, die sich beruflich neu orientieren und Coaching als möglichen Weg erkunden. „Manche wissen am Anfang noch gar nicht, ob sie hauptberuflich als Coach arbeiten oder die erlernten Skills in den aktuellen Beruf integrieren wollen. Das klärt sich oft im Laufe des Jahres.”
„Die Lösung liefern zu müssen ist oft der größte Druck.”
Was verändert sich durch diese Weiterbildung am stärksten? Viktor Vehreschild überlegt einen Moment. „Der Umgang mit Verantwortung”, sagt er dann. Viele, die kommen, sind es gewohnt, schnell Lösungen zu finden. Das ist in vielen Kontexten eine Stärke. Im Coaching kann dies allerdings zum Problem werden. „Als Coach brauche ich die Lösung nicht zu liefern. Stattdessen schaffe ich den Raum, in dem mein Gegenüber seine eigene findet.” Leonie Manthey ergänzt. Was es braucht, ist, präsent zu sein, ohne sofort zu wissen, wohin das Gespräch führt. Fragen zu stellen, statt selbst die Antwort zu liefern. Aushalten, dass ein Anliegen noch unklar bleibt. „Das klingt einfach. Ist es aber nicht.“ Leonie Manthey lacht. „Gerade sehr verantwortungsbewusste Menschen müssen manchmal erst lernen, Verantwortung anders zu verstehen. Nicht als Retten oder Lösen, sondern als Begleiten. Man könnte sagen, dass Coaches dann besonders gut ihrer Verantwortung nachkommen, wenn sie dem Gegenüber ermöglichen, selbst wieder Lösungsansätze zu entwickeln.”
„Methoden geben Sicherheit. Aber sie sind nicht der Kern.”
Welche Rolle spielen die konkreten Methoden? „Eine wichtige, vor allem am Anfang”, sagt Leonie Manthey. Die Teilnehmenden lernen systemische Fragen, Auftragsklärung, Ressourcenarbeit, Perspektivwechsel, Hypothesenbildung, Interventionen für unterschiedliche Prozessmomente. Detaillierte Methodenbeschreibungen geben Halt in den ersten Sitzungen, wenn noch alles ungewohnt ist.
„Im Laufe des Jahres werden die Methoden freier. Es geht weniger darum, die richtige Methode anzuwenden, sondern darum, im Prozess wirklich präsent zu sein.” Entscheidend ist die Haltung dahinter. Sehe ich mein Gegenüber als Expert:in des eigenen Lebens? Vertraue ich darauf, dass sie ihre eigene Lösung findet? Viktor Vehreschild sieht noch einen Vorteil im Format. „Leonie und ich sind beide systemisch ausgebildet, aber wir haben jeweils einen ganz eigenen Stil. Die Teilnehmenden erleben uns als zwei verschiedene Coaches und lernen so direkt, dass es nicht die eine richtige Art zu coachen gibt. Stattdessen geht es darum, auf Basis der systemischen Haltung den eigenen Stil zu entwickeln.”
„In der Weiterbildung wird nicht passiv zugehört. Wir üben, üben, üben.”
Wie praxisnah ist das aufgebaut? „Sehr”, sagt Viktor Vehreschild, ohne zu zögern. Von Beginn an üben die Teilnehmenden mit echten Anliegen, bringen eigene Fälle in die Supervision ein, reflektieren ihre Coachingprozesse. „Uns ist wichtig, dass Teilnehmende nach einer Veranstaltung nicht nur denken: Das war interessant. Sondern: Ich weiß, was ich morgen ausprobieren kann (und habe es heute bereits geübt).” Leonie Manthey ergänzt: Wir tauchen gemeinsam in sehr alltagsnahe Beispiele ein, zum Beispiel eine Führungskraft, die zwischen den Erwartungen von oben und den Bedürfnissen des Teams steckt. „Wir sprechen nicht nur theoretisch über solche Spannungsfelder. Wir schauen ganz konkret auf die folgenden Fragen: Wie lässt sich mit der Führungskraft der Auftrag für das Coaching klären? Welche Frage öffnet eine neue Perspektive? Welche Intervention könnte hilfreich sein?” Und dann wird geübt, reflektiert und nachgeschärft.
„Die eigene Person coacht immer mit.”
Warum spielt Selbsterfahrung eine so große Rolle? „Weil wir als Coach immer auch mit uns selbst arbeiten”, antwortet Leonie Manthey direkt. „Die eigene Person lässt sich nicht heraushalten.” Eigene Werte, Muster, blinde Flecken, aber auch eigene Stärken wirken im Coaching mit. Sie wird konkret: „Wenn ich schlecht aushalten kann, dass jemand traurig ist, tröste ich vielleicht zu schnell. Wenn ich Unsicherheit kaum ertrage, strukturiere ich zu früh. Wenn ich sehr lösungsorientiert bin, nehme ich meinem Gegenüber ungewollt den eigenen Suchprozess ab.” Genauso geht es in der Selbsterfahrung auch um die andere Seite: Was macht mich als Coach besonders? Welche Werte, Stärken und Erfahrungen bringe ich mit, die ich bewusst einsetzen kann? „Coaching ist nicht das Abarbeiten neutraler Techniken. Es lebt davon, dass jede Person ihre eigene Stimme einbringt.” Deshalb ist Selbsterfahrung kein Zusatz, sondern Teil der Professionalisierung.
„Die Gruppe wird für viele zum Resonanzraum.”
Was bedeutet die Gruppe in diesem Jahr? „Eine sehr große Rolle”, sagt Viktor Vehreschild. In den Präsenzphasen, den Online-Terminen, der Intervision entsteht in vielen Kohorten etwas, das sich nicht planen lässt. „Da wird gemeinsam gelernt, ausprobiert, gezweifelt, gelacht und reflektiert. Viele erleben das als sicheren Raum, in dem sie sich zeigen können, ohne perfekt sein zu müssen.” „Und daraus entsteht oft etwas, das weit über die Weiterbildung hinausgeht”, sagt Leonie Manthey. Intervisionsgruppen, die sich weiter treffen. Freundschaften. Manchmal gemeinsame berufliche Ideen. Manche Alumni gründeten sogar eine Firma zusammen.
„Online ist für uns kein Kompromiss, sondern ein eigener Möglichkeitsraum.”
Warum hybrid? „Coaching findet heute in Präsenz statt, online, manchmal am Telefon”, sagt Viktor Vehreschild. „Präsenz hat eigene Qualitäten: Wahrnehmung, Resonanz, räumliches Arbeiten. Online ist alltagsnäher und flexibler. Wir wollen, dass unsere Teilnehmenden in beiden Settings sicher arbeiten können.” Leonie Manthey ergänzt: „Durch Remote-Arbeit wird Online-Coaching immer selbstverständlicher, und Studien zeigen, dass es Präsenz-Coaching in der Wirksamkeit nicht unterlegen ist. Deshalb bringen wir unseren Teilnehmenden bei, auch online ein hochwertiges Coaching zu gestalten: mit einem digitalen Whiteboard, auf dem Methoden wie das Soziogramm visuell erarbeitet werden und konkreten Tools, die sie direkt in ihre eigene Praxis mitnehmen können.” Auch in den Online-Modulen wird sehr interaktiv gearbeitet: Breakouts, Übungen, Reflexion. Keine langen Vorträge.
„Wer Coaching wirklich lernen will, ist hier richtig.”
Was sollten Interessierte vor der Anmeldung wissen? „Wer nur einen schnellen Methodenkoffer sucht, findet kürzere Formate”, sagt Leonie Manthey. „Aber wer Coaching wirklich lernen möchte, mit Praxis, Feedback und Selbsterfahrung, für den kann diese Weiterbildung sehr passend sein.” Wer kommt, sollte Lust haben, sich mit der eigenen Rolle auseinanderzusetzen: Wann gebe ich zu schnell Rat? Was fällt mir schwer auszuhalten? Welche Art von Coach möchte ich sein? Viktor Vehreschild gibt Interessierten eine Leitfrage mit: „Möchte ich Menschen in Entwicklungsprozessen professioneller begleiten?” Wenn die Antwort ja sei, lohne sich der genauere Blick. Beide empfehlen denselben nächsten Schritt: den Infoabend besuchen. „Da lassen sich offene Fragen klären, Interessierte können prüfen, ob das Format zu ihren Zielen passt, und sie lernen uns als Lehr-Coaches persönlich kennen”, sagt Leonie Manthey. „Am Ende entscheidet oft auch das Bauchgefühl. Dafür ist die Veranstaltung da.”
Weiterbildung im Fokus
Für alle, die prüfen möchten, ob die Weiterbildung zu den eigenen Zielen passt, bieten die Informationsveranstaltungen am 1. Oktober und 26. November Gelegenheit, das Konzept kennenzulernen und mit den Lehr-Coaches ins Gespräch zu kommen. Der nächste Durchgang startet im Mai 2027.

